Bierkultur

Die Bierkultur in Deutschland ist einzigartig in der Welt. Mit dem traditionsreichen Gerstensaft verbinden sich Begriffe wie Gemütlichkeit, Geselligkeit und Heimatverbundenheit. Für die Deutschen ist das Bier das Volksgetränk Nummer eins. Trotzdem gibt es einige Vorurteile gegenüber dem Genussmittel. Heutzutage können viele dieser Mythen teilweise widerlegt werden, sodass der Deutsche stolz auf seine Bierkultur schauen darf.

Bier und Bierkultur in Deutschland
Die Geschichte des Bieres begann schon im vierten Jahrhundert vor Christus im Land der Sumerer. Älteste Nachweise der Bierbereitung in Deutschland sind 3000 Jahre alt. Gefunden wurden Bieramphoren der frühen Hallstattzeit in Kasendorf bei Kulmbach. In den ersten Jahrhunderten nach Christus oblag das Bierbrauen wohl genauso wie das Brotbacken den Frauen. Erst aus dem Jahr 766 gibt es Belege, dass das Kloster St. Gallen eine Bierlieferung bekam. Frei nach der Regel „was flüssig ist, bricht kein Fasten“ nutzen die Mönche den Gerstensaft zum Überstehen der kräftezehrenden Fastenzeit. Besonders im Mittelalter spielten Klöster eine bedeutende Rolle bei der Bierherstellung – und noch heute sind viele Klosterbrauereien bekannt. Die Biergeschichte in Deutschland ist gekennzeichnet durch stetigen Aufschwung. Beginnend mit Süddeutschland verbreitete sich die Bierkunst rasch über das ganze Land. Im 14. Jahrhundert wurde Bier bald zum wichtigen Handelsgut, auch in den im Hansebund zusammengeschlossenen Städten. Hamburg galt als Brauhaus der Hanse und Bremen wurde bedeutendster Brauhandelsort. Zuträglich was auch der heilende Charakter, der dem Bier zugeschrieben wurde. So schrieb Paracelsus um 1500: „Bier ist eine wahrhaft göttliche Medizin für Kranke“. Am 23. April 1516, der noch heute als Tag des Deutschen Bieres gefeiert wird, wurde schließlich durch die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. die Bayerische Landesordnung in Ingolstadt erlassen. Darin enthalten war die als „Bayerisches Reinheitsgebot“ bezeichnete Textpassage. Darin wurden zum einen die Inhaltsstoffe Gerstenmalz, Hopfen und Wasser und zum anderen die Bierpreise festgelegt. Grund für die Erlassung waren Beschwerden über schlechtes Bier. Im Jahr 1906 erlangte das Bayerische Reinheitsgebot für alle untergärigen Biere in allen Ländern des damaligen Deutschen Reiches Gültigkeit und hat bis heute Bestand.

Bierkonsum
Nach einem Rückgang des Bierkonsums in den letzten Jahren geht es nun wieder etwas aufwärts. Seit 1997 ist der Bierkonsum der Deutschen laut Statistischem Bundesamt stetig gesunken bis zu einem Rekordtief von 101,8 Litern Bier pro Kopf im Jahr 2010. Im ersten Halbjahr 2011 wurde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von einem Prozent oder 0,5 Millionen Hektoliter ermittelt. Besonders hohen Absatz verzeichneten die Brauer in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die Brauer in Hessen konnten sich über den bundesweit stärksten Zuwachs von 12,2 Prozent erfreuen. Den Zuwachs wird von den Statistikern besonders den Biermischungen zugeschrieben. Diese mit Limonade, Cola oder Fruchtsäften versetzten Biergetränke machten 4,1 Prozent des gesamten Bierabsatzes aus.

Brauereien in Deutschland
Im bayerischen Freising steht die älteste noch existierende Brauerei der Welt. Seit 1040 ist die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan in Betrieb. Die älteste Klosterbrauerei kann man im Kloster Weltenburg bei Kelheim finden – sie ist seit 1050 in Betrieb. Mit der Zeit eroberten viele Privatbrauereien den Biermarkt und zeichneten sich durch stetige Innovationen aus. Besonders bedeutend für die Geschichte des Brauwesens war die Erfindung der 1876 eingeführten Linde’schen Ammoniakkompressoren, einer künstlichen Kühlung. Durch diese kamen neue Brauverfahren auf und die ersten Lagerbiere entstanden. Im Jahr 1872 waren in dem Gebiet der deutschen Brausteuergemeinschaft (hierzu gehörten nicht: Königreich Bayern, Königreich Württemberg, Großherzogtum Baden, Elsaß-Lothringen und Luxemburg) 14.157 Brauereien in Betrieb. Schon 1878/79 waren es nur noch 11.867. Über die Jahrhunderte nahm die Anzahl der Brauereien stark ab, da es besonders in der jüngeren Geschichte zu vielen Konzentrationsprozessen kam. Zuletzt war dies bei der deutschen Wiedervereinigung der Fall, wo viele ostdeutsche Brauereien in die Hände westdeutscher Gesellschafter fielen. Seit Mitte der 1990er Jahre ist die Anzahl der Brauereien in Deutschland relativ konstant:

  • 1995: 1282
  • 2003: 1275
  • 2006: 1289
  • 2010: 1325

Bei genauerem Betrachten wird deutlich, dass die kleinen Brauereien mit einer Produktion von weniger als 5000 hl im Jahr einen Zuwachs verzeichnen konnten, während die mittelgroßen Brauereien mit einem Ausstoß von 5000 bis 0,5 Mio. hl und die Großbrauereien mit über 0,5 Mio. hl gegenläufig einen leichten Rückgang verzeichneten.

Regionale Bierkultur
Jedes Bier hat seine Heimat und jede Region hat sein eigenes Bier. Bier und Regionalität stehen in Deutschland in einem engen Zusammenhang. So findet man einige Biertypen nur in bestimmten Regionen Deutschlands.

Regionale Biersorten
Altbier
Das Altbier wird hauptsächlich am Niederrhein getrunken. Besonders Düsseldorf, aber auch Krefeld und Mönchengladbach sind die bekannten „Altbier-Hochburgen“. Der Name „Altbier“ kommt daher, dass das Bier nach einer „alten“ Brauart gebraut wurde, und damit ohne technische Kühlverfahren auskommt.

Kölsch
Kölsch wird in der Domstadt Köln und in angrenzenden Gebieten wie Wuppertal, Leverkusen oder Koblenz gern getrunken und drückt rheinische Lebensart aus. Welches Bier sich „Kölsch“ nennen darf, regelt die „Kölsch-Konvention“ von 1985. Diese wurde von 24 Brauereien unterschieben und schreibt vor, dass „Kölsch“ nur aus einem bestimmten Herkunftsgebiet stammen darf. Nur Brauereien aus Köln und dem angrenzenden Umland dürfen ihr Bier so nennen.

Berliner Weisse
Das Berliner Weisse wird hauptsächlich in und um Berlin getrunken. Ein einzigartiges Brauverfahren, bei dem Gersten- und Weizenmalze zusammen mit einer Mischung aus obergärigen Bierhefen und Milchsäurebakterien vergoren wird, macht den leicht säuerlichen Geschmack aus. Damit ist es nicht mit dem bayerischen Weißbier zu verwechseln. Aufgrund der säuerlichen Note, wird das Berliner Weisse oft mit einem Schuss Himbeer- oder Waldmeistersirup getrunken.

Weizenbier
Weizenbier, auch als Weißbier bekannt, hat seine Hochburg im Süden, besonders in Bayern. Weizenbier muss mindestens 50 Prozent Weizenmalz enthalten und wird obergärig hergestellt. Es hat relativ viel Kohlensäure und einen fruchtigen Geschmack. Daher ist dieses Bier sehr erfrischend und besonders im Sommer sehr beliebt.

Pils
Auch wenn das erste Pils ursprünglich von einem Bayern gebraut wurde, ist das Pils besonders im Norden der Bundesrepublik sehr beliebt. Insgesamt ist das Pils aber das beliebteste Bier in ganz Deutschland.

Rauchbier
Das Gerstenmalz für ein Rauchbier wird über einem Rauchofen gedarrt. Dies verleiht dem Malz ein besonderes Aroma. Diese Spezialität ist typisch für Bamberg.

Bierkultur und Bierfeste
Rund ums Bier werden in Deutschland zahlreiche Feste gefeiert. Besonders bekannt ist hierbei das Oktoberfest auf der Münchner Theresienwiese, die „Wiesn“. Mehr als sechs Millionen Gäste strömen jährlich aus aller Welt zu dieser Veranstaltung. Das weltweit größte Volksfest wurde das erste Mal anlässlich der Vermählung des Kronprinzen Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen am 12. Oktober 1810 gefeiert. In Stuttgart wird seit 1818 das Cannstatter Volksfest, auch Wasen genannt, gefeiert. 16 Tage lang können sich die Gäste auf dem Fest am Neckarufer vergnügen. Weitere bekannte Bierfeste sind das Karpfhamer Fest in Niederbayern, das Andechser Bierfest in Haßloch, das Kulmbacher Bierfest und die Bergkirchweih in Erlangen. Auch viele kleinere Ortschaften in Deutschland veranstalten traditionsreiche Bierfeste.

Bierwanderungen
In vielen Regionen Deutschlands kann die Bierkultur auch bei einer Wanderung entdeckt werden. Auf speziell ausgeschilderten Bierwanderwegen wird man meist von Brauerei zu Brauerei geführt. Beispiele hierfür sind der Bierwanderweg Ehingen, die Bayrische Bierstraße oder die geführten Bierwanderungen durch Franken.

Biermuseen
Weiterhin bieten viele Regionen oder Brauereien Biermuseen an, um die gelebte Tradition und Heimatverbundenheit weiterzugeben. Zum Beispiel wird im Schwäbischen Brauereimuseum in Stuttgart die Braugeschichte sowie gegenwärtige Brautechniken gezeigt. Die Bierstadt München kann sogar mehrere Museen rund ums Bier und Bierkultur aufzeigen. Aber auch in Dortmund, Lüneburg und vielen weiteren Städten gibt es ein solches Angebot.

Source: http://bierwiki.org/index.php?title=Bierkultur

Vatertag_FahrradEhinger Gymnasiasten ca 1931 in der BW1938_links Braumeister Frey_rechts Landwirtschaftsverwalter Botzenhart und Schweizer Butz